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Autor: Wolfgang Gerstenhauer
11.06.2025

AgrarMonitor

Heute: Obstbau in Deutschland

Hier erhältst du Daten und Fakten zum Obstanbau in Deutschland – zur Entwicklung der Anbauflächen für verschiedene Obstarten, zu den Auswirkungen des Klimawandels und zur deshalb immer wichtiger werdenden Bewässerung.

Äpfel dominieren mit über 70 % Flächenanteil

2023 nutzten deutsche Landwirte eine Fläche von insgesamt 69.899 ha für den Obstanbau, davon mit 49.203 ha den überwiegenden Teil für Baumobst. Die Anzahl der Baumobstbaubetriebe in Deutschland lag 2022 (= Ergebnis der Baumobstanbauerhebung) bei 6.500 Betrieben. Betrachtet man die Bundesländer in Bezug auf ihren Obstanbauanteil, so ist Baden-Württemberg mit 394.931 Tonnen (2023) das Bundesland mit dem größten Ertragsanteil, gefolgt von Niedersachsen mit 341.802 Tonnen und Nordrhein-Westfalen mit 117.566 Tonnen.

Unter den angebauten Obstarten dominiert der Apfel mit 33.015 ha (2023), gefolgt von Süßkirschen mit 5.686 ha und Pflaumen/Zwetschgen mit 4.121 ha. Die Hauptapfelsorte im deutschen Apfelanbau ist Elstar mit 24,1 Prozent der Tafelapfelanbaufläche (Stand 2022), gefolgt von Gala mit 9,6 %, Braeburn mit 9,3 %, Jonagold mit 5,8 % und Jonagored mit 4,2 %.

Anbauumfang der einzelnen Obstarten in Deutschland (2020-2024) – in den letzten Jahren fast gleichbleibend

JahrÄpfelBirnenSüßkir.Sauerkir.Pflaum. / Zwetsch.Mirab. / Renekl.
202033.900 ha2.100 ha6.000 ha1.900 ha4.200 ha600 ha
202133.600 ha2.100 ha6.000 ha1.800 ha4.200 ha600 ha
202233.100 ha2.100 ha5.700 ha1.600 ha4.100 ha700 ha
202333.000 ha2.100 ha5.700 ha1.500 ha4.100 ha700 ha
202433.000 ha2.100 ha5.700 ha1.500 ha4.100 ha700 ha

Schwerpunkte des Obstanbaus in Deutschland

  • „Altes Land“ (Hamburg und Niedersachsen) – das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Europas

  • Bodensee, Rheinebene und Neckar-Tauber-Region (Baden-Württemberg)

  • Mansfelder Land, Salzatal, Querfurt, Jessen, Stendal, Plößnitz, Allstedt, Eisleben, Naumburg und Langenweddignen (Sachsen-Anhalt)

  • Potsdam-Mittelmark, Märkisch-Oderland sowie Frankfurt a. d. Oder (Brandenburg)
  • Köln-Meckenheim, Bergisches Land und Niederrhein (Nordrhein-Westfalen)

Bewässerung auch im Obstbau unverzichtbar

Bewässerung gewinnt aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels zunehmend an Bedeutung in der Landwirtschaft. Während im Jahr 2012 nur 2,2 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche (entspricht 370.000 ha) regelmäßig bewässert wurden, waren es 2022 bereits 3,3 % (entspricht 550.000 ha). Im Bereich Sonderkulturen und Obstbau ist die Dunkelziffer in Bezug auf nicht statistisch erfasste Bewässerungmaßnahmen sicher hoch.

2018, 2019, 2020 und 2022 waren für die Landwirtschaft schwierige Trockenjahre, von denen vor allem der niederschlagsarme Osten und Nordosten Deutschlands betroffen waren. Aber auch andere Regionen geraten zunehmend unter Druck. Bewässerung wird daher zu einer Überlebensfrage – und das nicht nur während Dürreperioden. Denn auch im Frühjahr schützt Bewässerung vor gefährlichen Spätfrösten, die aufgrund der immer weiteren Vorverlagerung der Vegetationsperiode neben Hagel einen steigenden Risikofaktor für den Obstbau darstellen.

Nährstoffaufnahme, Wurzelwachstum und Photosynthese

Wasser ist für Pflanzen überlebenswichtig – nicht nur zum Wachsen, sondern auch zur Nährstoffaufnahme, da diese von Pflanzen nur in gelöster Form aufgenommen werden können. Zu wenig Wasser bedeutet daher immer auch zu wenig Nährstoffe. Trockenstress hemmt außerdem die Wurzelbildung und die CO₂-Aufnahme über Spaltöffnungen in den Blättern, die von zentraler Bedeutung für die Photosynthese ist. Andauernde Trockenheit führt somit zu Wachstumsstillstand und erheblichen Ertragseinbußen.

Bewässerung schützt vor Frühjahrsfost und Trockenstress

Die Klimaerwärmung sorgt in vielen Regionen Deutschlands für immer mildere Winter und Frühjahre. Daraus resultieren ein immer zeitiger Austrieb und eine immer frühere Blüte. Das Einsetzen der Apfelblüte tritt heute im Vergleich zu der Zeit vor 60 Jahren bereits 14 Tage früher ein. Damit werden Frühjahrsfröste im April und Mai zu einem erheblichen Risiko für Obstbauern.

Schon länger hat sich deshalb im Obstbau die Über- und Unterkronenbewässerung zum Frostschutz der Blüten und jungen Früchte etabliert. Überkronenfrostschutz bedeutet Beregnung der Pflanzen von oben mit Sprinklern bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Treten dann Minustemperaturen ein, gefriert das Wasser auf den Pflanzen. Dabei wird Wärme freigesetzt, die die Blüten oder Früchte schütz. Unterkronenberegnung funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Dabei werden die Böden unter den Bäumen durchnässt. Die bei der Bodenvereisung aufsteigende Wärme schützt dann Blüten oder junge Früchte.

Unterkronenbewässerung wird technisch meist als Tropfbewässerung realisiert. Sie ist daher auch für Dürreperioden die erste Wahl, da sie die Verdunstung minimiert und sehr wassersparend ist. Ein weiterer Vorteil: Früchte und Blattwerk werden dabei nicht beregnet, was die Bildung von Schimmel oder Pilzerkrankungen verhindert.

Bewässerungsmethoden im Obstbau

Oberflächenbewässerung, z. B. in Form von Flut- oder Furchenbewässerung, bringt Wasser direkt über den Boden ein. Bei der Flutbewässerung wird die gesamte Bodenfläche zwischen den Bäumen mit Wasser bedeckt, während bei der Furchenbewässerung das Wasser gezielt durch Furchen zwischen den Baumreihen fließt. Beide Verfahren sind einfach, aber wasserintensiv. Der hohe Verdunstungsverlust und die geringe Steuerbarkeit führen zu einem niedrigen Wirkungsgrad. Flutbewässerung kommt vor allem bei Jungpflanzungen zum Einsatz, hat aber in modernen Obstbausystemen kaum noch Bedeutung.

Sprinklerbewässerung: Sprinkleranlagen arbeiten nach dem Prinzip der gleichmässigen künstlichen Beregnung. Sie befeuchten sowohl Boden als auch Laub, was zu hohem Wasserverlust durch Verdunstung führt und das Risiko von Schimmel und Pilzerkrankungen erhöht. Der Wasserverbrauch ist hoch, die Effizienz gering. Positiv ist, dass diese Bewässerungsform auch zur Frostschutzberegnung eingesetzt werden kann.

Mikrosprinklerbewässerung: Mikrosprinkler liefern gezielter Wasser – und zwar an die Baumbasis. Sie reduzieren damit die Verdunstung im Vergleich zu klassischen Sprinklern erheblich, verbrauchen aber immer noch mehr Wasser als Tropfsysteme. Vorteil: Sie eignen sich auch zur Frostschutzberegnung.

Tropfbewässerung: Diese Bewässerungsform gilt als effizienteste Methode. Das Wasser gelangt direkt an die Wurzelzone, ohne die Blätter zu benetzen. Damit lassen sich bis zu 50 % Wasser einsparen gegenüber Sprinklersystemen – bei gleicher oder sogar besserer Ertragsleistung.

Quellen: